Wortkunst...

Siamesische Herzen

Die Rede ist hier von zwei Schwestern,
Geboren in verschied´nen Ländern,
Die Eine, geraten nach der Madre,
Die And´re gleicht eher dem Padre.

Hass und Liebe – Hand in Hand,
Zwischen ihnen keine Wand,
Geteilt der Raum, ungleich die Zeiten,
Dies sollte sie fortan begleiten.

In keinem Ding und Deut vereinigt,
Verwandtschaft namentlich bescheinigt,
Wuchsen sie in Kindheitsjahr´n
Zur biformen Person heran.

Das Leben trennte sie alsdann
Das Alter an Trivialität gewann.

Zwei Seelen – ganz ähnlich jetzt im Denken,
Empfindungen sind´s die sie lenken,
In ihren Adern der gleiche Schlag,
Der sie endgültig zu binden vermag.

Durch Ängste, Traurigkeit und Schmerzen,
(V)Erwachsen sind zwei Schwesterherzen.

1 Kommentar 24.7.07 16:42, kommentieren

Winteratem

Die mittägliche Dunkelheit
Schleicht über Ding und Mensch.
Die Formen verschwommen,
Konturen verwischt,
Die Farben ergraut.

Die Finsternis,
Sie gleitet dahin,
Breitet sich aus,
Ja, streckt sich aus.
Ihre Fühler betasten jedes Objekt.

Ein Windzug ist zu spüren.
Der kalte Hauch umschließt die Dinge.
Ein unsichtbarer Mantel kühler Temperaturen
haftet an mir.
Ich friere.

Die Haut wird blau.
Härchen stehen Spalier,
Bereit der Kälte zu trotzen.
Ihr Bemühen ist umsonst.
Es hilft nichts.

Die eisige Dunkelheit
Erältet meine Seele.
Mein Auge vermag den Sommer vernehmen,
Doch mein Herz fühlt Winter.

24.7.07 16:37, kommentieren

Der Grund, weshalb wir hungern...

Eine ausgemergelte Statur,
weder weiblich die Figur,
noch der eines Kindes gleich,
wandeln wir durch´s Erdenreich.

Kein Ideal, wonach uns strebt,
kein Zwang, der uns´re Laune hebt.
Auch Vergeltung ist es nicht,
die Seele steht nicht vor Gericht.

Es geht vielmehr um Fähigkeiten,
des Lebens Lasten zu entgleiten,
sich von der Beständigkeit des Bösen,
ein für allemal zu lösen.

Arkadien ist´s, wonach wir trachten.
Körperlos die Welt betrachten,
aus sicherer Entfernung nun,
es Gott, dem Schöpfer, gleichzutun.

Der Abschein aus den Spiegeln
zeigt den Ansatz schon von Flügeln.
Federn sind noch nicht zu sehen,
kommen sie, so werd´ ich gehen.

Ein Tropfen Gift, ein letztes Winken,
das Lebensschiff beginnt zu sinken.
Wie eines Dampfers Kapitän
werde ich mit untergeh´n.

Es hilft kein Retter in der Not,
mich umhüllt Gevatter Tod.
Seine Hand zeigt empor
zum ersehnten Himmelstor.

Vom Pförtner des Elysium,
mein Ableben als Martyrium
akzeptiert und goutiert,
wird meine Ankunft fix notiert.

Lückenlos das Federkleid,
spanne ich die Flügel weit.
Flügelschlagend, engelsgleich
erkunde ich das Himmelreich.

Nur der zarten Kreatur,
mit ihrer ausgemergelten Figur,
enthüllt sich bereits zur Lebenszeit
der Seraph, der in uns weilt.

1 Kommentar 31.1.07 16:54, kommentieren