Tretmühle...

Neues Jahr, neues Glück?

Der Wunsch, mich in diesem Jahr dem ganzen Silvesterscheiß zu entziehen, war gar nicht so leicht umzusetzen, wie ich gehofft hatte.

Mein Geist verlangte nach Ruhe, Abgeschiedenheit und Nebelschwaden. Also zog ich mich in meine Wohnung zurück, hockte mich vor die Glotze und rauchte genüsslich einen Joint nach dem anderen. Zufrieden im Gefühl der Silvestereinsamkeit badend, wollte ich meinen ganz persönlichen Jahresrückblick zelebrieren. Gegen Mitternacht war´s dann vorbei mit dem ruhigen Resümieren! Ganz Berlin vertrieb die bösen Geister des letzten Jahres durch das rituelle Entzünden von Feuerwerkskörpern. Der Geräuschpegel war immens. So muss sich Krieg anhören.

Um 2:00 Uhr kehrte allmählich Ruhe ein und ich konnte endlich schlafen gehen. Ich schlief erstaunlich gut.

Am besten jedoch war das Gefühl am Morgen: Keine Katerstimmung! Frisch, fröhlich und frei von Vorsätzen habe ich das neue Jahr nun begonnen.

Vielleicht ein Zeichen, dass 2007 besser, durchsichtiger und geordneter für mich verläuft?

Vielleicht..., vielleicht..., vielleicht...!

In jedem Fall wünsche ich allen für das neue Jahr nur das Beste!

1.1.07 18:55, kommentieren

Vorfreude vs. Enttäuschung

Die Vorfreude und Neugier auf die Gesichter meiner Verwandten, wenn sie während der Bescherung die von mir besorgten und festlich verschnürten Geschenke entpacken, war völlig unbegründet. Zu meinem Entsetzen musste ich nämlich bei der Ankunft im Elternhaus feststellen, dass es in unserer Familie seit längerem keine gemeinschaftliche Bescherung mehr gibt. Wo war ich nur die letzten Jahre? Wie konnte ich das nur vergessen? Mein Erinnerungsvermögen hat mir tatsächlich ein Schnippchen geschlagen, indem es die bereits fünf Jahre zurückliegende traditionelle Bescherung aller Familienmitglieder unter dem Glanz des großelterlichen Weihnachtsbaumes mit den am Heiligabend auf ein gemeinsames Abendessen beschränkten verwandtschaftlichen Zusammenkünfte der letzten Jahre miteinander verband. Typisch ich: Zusammenhänge suchen und (er-) finden, wo keine sind!

Der Fauxpas die einzige bescherende Person des Abends zu sein, war mir derart peinlich, dass ich darüber hinaus den eigentlichen Zweck dieser Aktion, nämlich mich für die familiäre Unterstützung zu bedanken, aus den Augen verlor. Mit hochrotem Kopf überreichte ich also jedem sein Präsent. Ich kann von Glück reden, dass ich meine Erwartungen auf die vermeintlich überragend ausfallenden Reaktionen bereits zurückgeschraubt hatte, denn: Von Reaktionen keine Spur! Nicht nur überschäumende Begeisterung und Beifall blieben aus, nein, sogar Worte des Dankes erreichten nicht mein extra dafür gespitztes Öhrchen.

Fazit: Den ganzen Stress geb ich mir nicht nochmal!

Eine Karriere als Weihnachtsengel? Kommt gar nicht in die Tüte!

26.12.06 21:05, kommentieren

Bedauern über die eigene Talentlosigkeit

Wie wohl jeder andere Mensch auch habe ich einen ganz eigenen Bezug zur Musik. Ich liebe es mich in ihr wiederzuerkennen, darin fallen zu lassen oder bestimmte Emotionen durch sie herauszukitzeln. Es gibt Tage, in denen ich durch spezielle Auswahl tonkünstlerischer Hörsinneszellenerregung meine Melancholie ins Unermessliche steigen lassen kann, bis sich schließlich das Gefühl einstellt, den gesamten Weltschmerz huckepack zu tragen. An anderen, guten Tagen, wenn ich ausgelassener Stimmung bin und hemmungslos vor dem Spiegel meine aktuellen Lieblingslieder performe, bin ich immer wieder aufs Neue über den Anblick, der sich mir bietet, überrascht. Das blühende Leben strahlt mir aus der spiegelverkehrten Welt entgegen.

Wenn ich jedoch neben den Luftgitarren-Soli und meiner tänzerisch qualitativ im Mittelfeld anzusetzenden Darbietung, die eher an den oft auf Rock- und Punk-Konzerten zelebrierten Moshpit erinnert, noch das lautstarke Mitgröhlen einzelner Textfetzen anfange, wird das Ausmaß meiner talentlosen Musikalität zutage getragen. Im Gegensatz zu der durch Menschen gebildeten äußeren Kreislinie eines solchen Moshing Pit vor den realen Bühnen dieser Welt, werden meine Pogo-Tanzbewegungen von meinen Möbeln abgebremst und eingedämpft.

Ich empfinde tiefes Bedauern darüber, dass meine Stimme nicht in der Lage ist, Töne dort zu halten, wo sie von einem begabten Komponisten, zur Schaffung einer klangvollen Harmonie, angesetzt waren. Schade eigentlich, denn tief im Inneren bin eine Koryphäe der zeitgenössischen Rockmusik, leider gefangen im Körper einer sozial gescheiterten Studienabbrecherin.

23.12.06 16:41, kommentieren

Weihnachtszeit, schöne Zeit...

Nach Jahren des puren Egoismus hat sich mein Gewissen zurück gemeldet. Lange empfand ich das weihnachtliche Beschenken als einfallslos, gezwungen und unwichtig. Nachdem in diesem Jahr meine berufliche Integration in die Gesellschaft zu scheitern begann und ich trotz meiner nicht ganz gesunden, psychischen Konstitution stets auf den familiären Beistand zählen konnte, sprach mein Gewissen: „Doreen, es ist an der Zeit sich endlich bei den Verwandten, wenn auch nur im Kleinen, als Zeichen der Geste, zu bedanken!“ Ich gab meiner inneren, stark an der Moral festhaltenden Stimme recht.

Seit nun mehr fünf Jahren schieben mir die lieben Verwandten möglichst unauffällig einen Zwanziger nach dem anderen zu, wenn ich mich quartalsmäßig auf Familienfesten blicken lasse. Und das, obwohl der Begriff „Familie“, nach meiner spontanen Flucht in die Berliner Metropole, zunächst immer bedeutungsleerer wurde. Die Heimat ebenso wie die Verwandten erinnerten mich zu sehr an meine Herkunft und die Person, die ich früher einst gewesen bin. Bereits als 17 Jährige mit den Problemen der Haushaltsführung und Selbstbestimmung konfrontiert, glaubte ich dem Stadium des Erwachsenseins einen Schritt näher gekommen zu sein und somit den Gipfel der Unabhängigkeit erreicht zu haben. Wer braucht da denn noch Familie? 2006, das Jahr in dem meine gefühlte Selbstständigkeit offiziell gescheitert ist und ich mich, bedingt durch die progressive Isolation von der Gesellschaft, mehr und mehr mit mir und meiner verkorksten Persönlichkeit auseinander setzte, habe ich die Wichtigkeit der elterlichen Liebe, Zuneigung und Unterstützung neu schätzen gelernt. Selbst die vorweihnachtliche Stimmung nahm längst vergessene Ausmaße an. So ist das Besorgen der Geschenke und das Einpacken zu einer persönlich zelebrierten Feierlichkeit geworden. Sorgfältig überlegte ich welches Präsent wem zuteil werden sollte. Den Höhepunkt meiner Vorfreude auf die anstehenden Festtage erreichte ich, als ich die Gaben mit dem typisch weihnachtlich verzierten Geschenkpapier umhüllte. Ich malte mir aus, wie die Eltern und Großeltern noch vorsichtig die Verschnürungen lösen und mit zunehmender Neugier die Verpackungen auseinander ruppen würden, um anschließend den noch eben verborgenen Inhalt zu bestaunen. In meiner Fantasie war ich die Königin unter den bescherenden Weihnachtsmännern.

Zu meinem Entsetzen habe ich während der Geschenk-Suche-Einkauf-Einpack-Aktion nicht sonderlich viel Kreativität gezeigt. Am stolzesten bin ich auf das Präsent für meine Mama. Sie, die die Verkörperung für mütterlichen Einsatz, Stress und familiäre Verantwortung ist, benötigt zu ihrem vollgestopften Alltag einen erholsamen Ausgleich. Da sie vor wenigen Jahren den Führerschein gemacht hat und erst jetzt allmählich die Unsicherheit am Steuer abstreift, erkennt sie, eingekapselt in einem Vehikel und somit vom Rest der Menschheit für wenige Augenblicke abgeschirmt, die entspannende Wirkung, die das Autofahren mit sich bringen kann. Die musikalische Untermalung durch das integrierte Rundfunkempfangsgerät darf selbstverständlich bei der Entspannungsexplosion nicht fehlen. Also überlegten meine Schwester und ich, es wäre an der Zeit die ausgenuckelte Kassette, die seit Monaten unentwegt das Tape-Deck des wenig zeitgemäßen Autoradios in Schacht hält, abzulösen und in unbezahlten Urlaub zu schicken. Es entstand die Idee, zwei Musikalben auszuwählen, die anschließend mit einem jeweilig neu erdachten Motto versehen werden.

Ich muss leider zugeben, dass mir meist die Geschenke am besten gefallen, mit denen ich mir selbst auch eine riesige Freude machen würde. Deshalb habe ich mich bei der Themen- und Musikauswahl an meinen eigenen Vorlieben orientiert, die ich, im Falle eines Führerscheinbesitzes, mit einer entspannten Autofahrt in Verbindung bringe. „Für Fahrten ins Blaue...“, wenn man gedankenlos das Weite sucht, entschied ich mich für „The world won´t listen“ von The Smiths. Als ich vor Jahren den Welterfolg „On the road“ des Beatnik-Autors Jack Kerouac gelesen habe und dabei ununterbrochen den Klängen Morrisseys & Co. lauschte, assoziiere ich das ziellose Cruising im Auto immer mit dieser Band. Die Wahl des zweiten Albums fiel dagegen auf Coldplays „X & Y“. Hierbei entstand vor meinem geistigen Auge ein Film über einen abgehetzten Tag im Leben meiner Mutter. Sie, die sich und ihre eigenen Bedürfnisse stets den Wünschen anderer unterordnet, überschlägt sich hin und wieder mit dem Erfüllen von Gefälligkeiten für andere und ist dann abends manchmal derart erschlagen, dass sie kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht. Für solche Augenblicke ist es wichtig einen Ort des Rückzugs zu haben, der einem das Entfliehen von allen Problemen ermöglicht. Wieso also nicht ins Auto setzen, den Motor laufen lassen bis sich der Innenraum behaglich aufgeheizt hat, zurücklehnen und sich, begleitet durch Chris Martins sanfter Stimme, in die fantastische Welt jenseits aller Verpflichtungen entführen zu lassen? Dementsprechend lautet das Motto zu diesem Tape „Wenn der Alltag zu viel wird... jetzt leben!“

Ich bin zwar noch immer gespannt auf die Reaktionen meiner Verwandten, wenn sie ihre Gaben erhalten, aber ich glaube kaum, dass der Erfolg entsprechend meiner früheren Erwartungen ausfallen wird. Mit dem Verpacken, Zukleben und Verzieren des letzten Geschenks war anscheinend nicht nur das Maximum jener weihnachtlichen Vorfreude erreicht, sondern auch der Wendepunkt, der die empfundene Besinnlichkeit in Gleichgültigkeit umschlagen ließ.

23.12.06 13:28, kommentieren