Bedauern über die eigene Talentlosigkeit

Wie wohl jeder andere Mensch auch habe ich einen ganz eigenen Bezug zur Musik. Ich liebe es mich in ihr wiederzuerkennen, darin fallen zu lassen oder bestimmte Emotionen durch sie herauszukitzeln. Es gibt Tage, in denen ich durch spezielle Auswahl tonkünstlerischer Hörsinneszellenerregung meine Melancholie ins Unermessliche steigen lassen kann, bis sich schließlich das Gefühl einstellt, den gesamten Weltschmerz huckepack zu tragen. An anderen, guten Tagen, wenn ich ausgelassener Stimmung bin und hemmungslos vor dem Spiegel meine aktuellen Lieblingslieder performe, bin ich immer wieder aufs Neue über den Anblick, der sich mir bietet, überrascht. Das blühende Leben strahlt mir aus der spiegelverkehrten Welt entgegen.

Wenn ich jedoch neben den Luftgitarren-Soli und meiner tänzerisch qualitativ im Mittelfeld anzusetzenden Darbietung, die eher an den oft auf Rock- und Punk-Konzerten zelebrierten Moshpit erinnert, noch das lautstarke Mitgröhlen einzelner Textfetzen anfange, wird das Ausmaß meiner talentlosen Musikalität zutage getragen. Im Gegensatz zu der durch Menschen gebildeten äußeren Kreislinie eines solchen Moshing Pit vor den realen Bühnen dieser Welt, werden meine Pogo-Tanzbewegungen von meinen Möbeln abgebremst und eingedämpft.

Ich empfinde tiefes Bedauern darüber, dass meine Stimme nicht in der Lage ist, Töne dort zu halten, wo sie von einem begabten Komponisten, zur Schaffung einer klangvollen Harmonie, angesetzt waren. Schade eigentlich, denn tief im Inneren bin eine Koryphäe der zeitgenössischen Rockmusik, leider gefangen im Körper einer sozial gescheiterten Studienabbrecherin.

23.12.06 16:41

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